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Gedächtnis, Das Gehirn und Sprachenlernen

Deutsche Ausgabe
Wir nehmen jeden Tag neue Informationen auf, an die wir uns erinnern müssen oder auch nicht. Wenn wir z.B. jemanden kennenlernen, uns Gesichter merken oder im Gespräch mit Leuten aus unserem Umfeld neue Informationen erfahren.

Mit einer gewissen Erfahrung beim Sprachenlernen wird man irgendwann feststellen, dass Sprachen nichts anders sind als eine soziale Landschaft. Außer, dass man keine Beziehungen zu Menschen herstellt sondern zu Wörtern. Wenn wir Sprache auf diese Weise betrachten, macht Sprachenlernen viel mehr Spaß.

Weil Sprachen natürlich sind und alle Menschen Sprachen auf natürliche Art und Weise benutzen können, macht es Sinn, Sprachen auf auch natürliche Weise zu lernen. Studien haben gezeigt, und das wird von Leuten bestätigt, die Fremdsprachen bis hin zur sicheren Sprachbeherrschung gelernt haben, dass wir geschriebene Wörter besser erkennen, wenn wir diese bereits als gesprochene Wörter beherrschen. Die geschriebene Form eines Wortes ist nur eine Art Representation, und es ist viel einfacher, ein uns bekanntes Wort in geschriebene Form zu übertragen als ein geschriebenes Wort auswending zu lernen, das wir nicht in gesprochener Form schon verstanden haben.

Es kann sehr frustrierend, ja bisweilen unmöglich sein, eine Sprache nur durch ihre geschriebene Form zu lernen. Eine Sprache lesen zu lernen, die Sie schon sprechen, ist dagegen einfach. Binden Sie sich also kein Klavier ans Bein, indem Sie versuchen, eine Schrift wie Chinesisch zu lernen, wenn Sie noch überhaut kein Chinesisch sprechen können. Chinesisch ist nicht so einfach wie manchmal behauptet, dass ein Zeichen gleich ein Wort ist. Selbst in unserer Muttersprache gibt es sehr viele Fälle, dass zwei Wörter zusammengenommen einen neuen vollständigen Begriff ergeben, wie z.B. „seine Stimme abgeben“.
Wie verhalten sich Gedächtnisleistung und Schlaf zueinander? Unser Gehirn nimmt tagsüber Erfahrungen auf und speichert sie als Erinnerungen. Wenn diese Erinnerungen vergleichsweise gewöhnlich sind, wie z.B. Mittag essen, dann gehen sie verloren unter all den anderen Erinnerungen, und wir finden es schwer, uns an eine spezifische aber relativ gewöhnliche Sache zu erinnern. Eine gewöhnliche Erinnerung hinterlässt keine Spuren in uns. Eine außergewöhnliche Begebenheit hingegen, wie z.B. die Geburt eines Kindes oder ein Unfall, hinterlässt großen Eindruck. Wir verknüpfen eine gewisse Wichtigkeit mit diesen Eindrücken.

Unser Gehirn registriert kontinuierlich unser tägliches Leben und sammelt dabei eine Menge Informationen. Weil es sich oft um gewöhnliche und unwichtige Dinge handelt, hat unser Gehirn einen eingebauten Mechanismus, mit dieser Informtionsflut umzugehen, sprich, unsere Gehirne befreien sich jeden Tag von unnützem Ballast durch Vergesssen. Technisch ausgedrückt sind unsere Erinnerungen Verbindungen zwischen Nervenzellen und diese Verbindungen verlieren an Stärke, wenn sie nicht trainiert und beansprucht werden.

Während des Schlafs verarbeitet das Gehirn alle Eindrücke des Vortages. Wenn Sie die Eindrücke am nächsten Tag nicht wiederholen, dann schwächen sie sich ab. Nach drei Schlafzyklen gilt der Eindruck als vergessen, ohne Wiederholung. Einige Dinge kann man sich besser merken, weil man sie beim ersten Mal besser mit Sinneseindrücken oder anderen Erinnerungen verknüpft hat. Während des Sprachenlernens würde so etwas erst relativ spät möglich sein. Was können Sie also gleich von Beginn an tun, um ihre neuen Spracheindrücke besser zu verankern?

Viele Gedächtnistrainer behaupten, dass man sich Dinge gut merken kann, wenn man sich verrückte Geschichten dazu denkt, die dabei helfen, den Anker zu setzen, sozusagen. Einige Gedächtnistrainer empfehlen auch, sich ein Haus vorzustellen, mit dem man sehr vertraut ist, und dann festlegt, wie man durch alle Zimmer läuft. Dann werden alle Objekte, an die man sich erinnern soll, in dem Haus entlang der Laufrichtung platziert. Um sich nun an die Dinge später zu erinnern, muss man nur in Gedanken durch das Haus laufen.

Ich hatte persönlich wenig Erfolg mit der Methode, mir verrückte Geschichten zu Erinnungsobjekten vorzustellen. Für mich hat die Haus-Methode funktioniert, aber anders als in der konventionellen eben erklärten Methode. Die Haus-Methode ist ja im Prinzip nichts anderes als eine Art Gedächtnis-Karte, oder Räumliches Erinnerungsvermögen, und ich persönlich bevorzuge wirkliche Land- und Stadtkarten. Das kommt wahrscheinlich daher, dass ich mich überdurchschnittlich mit Karten orientieren kann. Wenn das bei Ihnen auch zutrifft, dann benutze Sie diese Methode. Es ist aber nicht jedermanns Sache. Es funktionert aber sehr gut, um sich mehrere Sprachen gleichzeitig anzueignen.

Was haben Sprachen und Karten miteinander gemeinsam? Im Prinzip kann man alles auf einer Karte darstellen, und Sprachen werden natürlicherweise irgendwo auf der Welt an einem bestimmten Ort gesprochen und verbreiten sich und verändern sich mit der Zeit. Die Veränderungen, die Sprachen auf diesem Weg durchlaufen, erschaffen eine Wortgeschichte, oder Etymologie. Wenn man versteht, wie sich Aussprache über Zeit regulär verändert und wohin die Sprecher der Sprache im Laufe der Geschichte gewandert sind, dann ist es nicht mehr so schwer, sich eine große Menge an Daten mittels einer imaginären Gedächtniskarte einzuprägen. Genauso verankere ich jede neue Sprachen, die ich lerne. Ich habe eine viel größere Herausforderung, wenn ich mir eine neue Sprachfamilie vornehme. Daher schaue ich nach tieferen und längeren Etymologien, die zwischen den Sprachfamilien verborgen sind. Diese Etymologien helfen, Verbindungen zum Kernvokabular der neuen Sprache zu schaffen. Einige Wörter wie „ich“ (Altenglisch „ic“) und „me/mine“ habe weltweit die gleiche Herkunft, egal welche Sprache wir lernen, ob Isländisch (Indo-Europäisch), Finnisch (Uralisch), bis hin zu Japanisch (Altaisch) oder Samoisch (Austronesisch).

Ich verwechsle Sprachen nicht, weil für mich jede Sprache anders klingt, ihren eigenen Akzent und Verhaltenscode hat. Ich kann meine Gedächtniskarte auch dazu benutzen, mich in das jeweilige Land hineinzudenken und mir vorzustellen, mit den Leuten vor Ort zu sprechen. Das hilft mir, nicht nur die Sprache an sich zu sprechen sondern auch die Gesichtsausdrücke und Verhaltensweisen zu imitieren. Aber wichtiger ist noch, diese Methode verhindert Verwechslungen mit anderen Sprachen. Und wenn ich mich mental auf diese Weise einstelle, dann ist es praktisch unmöglich, dass ich Wörter aus unterschiedlichen Sprachen durcheinander bringe.

Wenn ich mir eine bestimmte Weise zu sprechen angewöhnt und diese Weise an mehreren Tagen hintereinander praktiziert habe, dann weiß ich, dass die neuronalen Verknüpfungen im Gehirn sich nun verstärkt haben und verankert sind. Drei Tage hintereinander nicht geübt zu haben, würde einen kompletten Verlust bedeuten. Aber die Übung für drei Tage hintereinander aktiv zu wiederholen (nicht nur passiv zuhören), erschafft eine Erinnerung, die ein Leben lang bleibt. Dann brauchen Sie keinen Anker mehr, die Erinnerungsbrücke, sozusagen, verschwindet von ganz alleine, und es bleibt das Wissen, wie es geht.

Sie haben sicherlich schon festgestellt, dass die Glossika Trainingsmethode für jeden Satz eine Übersetzung zur Verfügung stellt. Die Übersetzung dient Ihnen als Erinnerungsbrücke. Auf diese Weise 1) funktioniert die Übersetzung als Erinnerungsbrücke, 2) haben Sie einen klar-verständlichen Input, 3) erkennen Sie leichter Strukturen und Zusammenhänge in der Zielsprache. Strukturen erkennen ist die wichtigste Fähigkeit, die Sie brauchen, um eine Fremdsprache zu erlernen.

Viele Leute denken, dass man beim Fremdsprachenlernen auf jeden Fall vermeiden sollte, zwischen Mutter- und Fremdsprache zu übersetzen. Anhand von tausenden von Tests, die ich über einen Zeitraum von zehn Jahren mit meinen Studenten durchgeführt habe, kann als Ergebnis festgestellt werden, dass nur mit der Zielsprache zu arbeiten zu einem verfälschten Eindruck von Verstehen und Sprachfähigkeit führen kann. Außerdem führt das zu einer höheren Wahrscheinlichkeit, sich über lang selbst zu schaden, indem man falsche Realitäten vortäuscht.

Ein von mir vorgenommener Test kann als Beispiel dienen. Ich fragte meine Studenten, in ihre Muttersprache (Chinesisch) zurück zu übersetzen, was sie von mir hören. Es gab darunter Studenten, die bereits Konversationen auf Englisch durchführen konnten. Das Ergebnis war erschütternd. Sätze mit bestimmten Wortkombinationen oder Phrasen verursachten Mißverständnisse, wie z.B. „könnte wohl auch“ oder „kann das nicht tun solange“. Diese und ähnliche Phrasen wurden nicht eindeutig verstanden und eher falsch übersetzt.

Wenn Sie annehmen, dass Sie in einer Fremdsprache operieren können, ohne übersetzen zu können, was eigentlich gesagt wurde, dann machen Sie sich selbst etwas vor. Üben Sie, alles was sie in der Fremdsprache hören, auch in Ihre Muttersprache zu übersetzen. Das ist wiederum nur ein vorübergehendes Hilfsmittel, das Sie automatisch wieder ablegen, wenn Sie sich später sehr komfortabel fühlen in Ihrer neuen Fremdsprache.

Und zum Schluss, unser Gehirn ist wirklich nichts anderes als ein großer Schwamm. Aber Sie müssen die Struktur des Schwammes selbst bilden. Nur einfach Vokabeln in einer Sprache lernen ist wie Wasser in einen Schwamm geben, der keine Struktur hat: es fließt wieder heraus.

Um eine Fremdsprachenstruktur zu bilden, oder Schwamm, müssen Sie Sätze bilden, die natürlich und selbstverständlich sind. Sie nehmen dazu Satzstrukturen mit wesentlichen, häufigen Wörtern, die einfach genug sind zu lernen und fangen damit an. Mit weniger als 100 Wörtern können Sie tausende Sätze bis hin zum fließenden Sprechen bilden. Langsam fügen Sie mehr Vokablen hinzu. Bald sprechen Sie fließend und haben ein arbeitsfähiges Vokabular mit tausenden Wörtern.

Wenn auch immer Sie eine neue Vokabel isoliert lernen, müssen Sie diese Vokabel sofort in einen sinnvollen Satz einbinden und lernen. Am besten natürlich in einen Satz, den Sie auch benutzen wollen. Wenn Sie sich keinen Satz zu einer neuen Vokabel ausdenken können, dann ist es sinnlos, die Vokabel zu lernen.

Vokabeln sollten auf keinen Fall planlos auswendig gelernt werden, weil Vokabeln an sich variabel sind. Die Wörter in unserer Sprache sind nur ein Hilfsmittel, um eine Bedeutung auszudrücken, und jede Sprache drückt die gleiche Bedeutung mit anderen Wortkombinationen aus. Achten Sie darauf, was gesagt wird, dann darauf, welche Wörter verwendet werden, und dann lernen Sie diese Wörter. Eine Vokabelliste auswenig zu lernen wird Ihnen keine Hilfe sein.

Neulich hat mir ein Bekannter seine Vokabelliste für Chinesisch gezeigt. Er benutzte ein Computerprogramm mit terminierbaren Wiederholungsfragen, wo er auch ein ganzes Kartendeck von Fragen herunterladen konnte. Ich dachte zuerst, dass sei eine gute Idee, bis ich feststellte, was er da eigentlich versucht auswendig zu lernen. Ich versuchte, ihm zu erklären, dass diese Wörter ohne Kontext, so wie auf den Karten geschrieben, etwas anderes bedeuten als im Satzzusammenhang, der ihm ja fehlte. Und dass diese isolierten Bedeutungen nur zu Missverständnissen führen würde, besonders weil es sich um einzelne Zeichen handelte. Das würde nur funktionieren, wenn er Zeichen lernte, die er aus einem Textzusammenhang bereits kennte, aus einer richtigen Geschichte herausgenommen. Aber all das war nicht. Langfristig gesehen, schadet ihm diese Lernmethode, wie ich denke, weil er alles doppelt lernen muss. Aber kurzfristig gedacht, erzeugt es natürlich ein falsches Gefühl von Fortschritt, mit dem er allerdings zufrieden war. Deswegen habe ich das Thema dann gelassen.

Recordings

  • Gedächtnis, Das Gehirn und Sprachenlernen ( recorded by dannylow ), Österreichisches Standard Deutsch

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